Manche trennen mit Bedacht

Geist von Fleisch und Tag von Nacht

Dieses führt sie schnell und gern

Zu der Schöpfung unsres Herrn.

 

Erst schied Finster er von Licht

Später Prosa vom Gedicht

Schweigsamkeit vom großen Maul

Klug von Dumm und Fleiß von Faul.

 

Allerdings ließ dieses Trennen

Dinge zwar genau benennen -

Hier ist hier, und dort ist dort,

dies ist Raum, das Zeit, dies Ort -

 

Doch es ward auf Gottes Welt

Nun auch leider unbequem:

Gutes wurde gern bestellt

Schlechtes nicht mehr gern gesehn.

 

„Rate, Menschenwurm, wie heiß’ ich?!“

Ungeteilt, so faul wie fleißig

Gähnt der Herr in seinem Stuhle

Und sein Mensch erfand die Schule.

 

Eine unsrer Schülerinnen

Hatte sich dort zu besinnen

Denn man hieß sie zwar nicht dumm

Stinkend faul jedoch, und um

 

Solcher Rede Sinn zu finden

Wollte sie zutiefst ergründen

Was der Faulheit Wesen wäre

Dass sich auch der Fleiß erkläre.

 

Sie beschloss, vor diesem Tun

Erst einmal gut auszuruhn:

„In der Ruhe liegt die Kraft!

Papa! Bring mir Birnensaft!“

 

„Wahrlich, Kind, Du bist nicht fleißig!“

„Liebes Papilein, das weiß ich,

Doch liegt gute Absicht vor,

Deshalb leihe mir Dein Ohr;

 

Höre, was Dein Kind studierte

Über Faulheit und von Fleiß,

Wie es sich dabei verwirrte

Und was es nun endlich weiß:

 

Philosophisch zu ergründen

Was der Faulheit Wesen ist

Würde nur in Faulheit münden

Spricht der alte Alchemist.

 

Die verlog’nen Engelsscharen

Kennen Faulheit als Geduld

Sich vor Taten zu bewahren

Heißen allen Fleiß sie Schuld.

 

Denen Alles Garnichts ist

Ward die Faulheit Lebenslist

Gähnend blinzeln sie ins Licht

Denn wer schläft, der sündigt nicht.

 

Priester wiederum befinden

Faulheit für die Reaktion

Auf bewusst verübte Sünden

Und sie leben gut davon.

 

Strengstens habe man zu scheiden

Hier die Faulheit einer Frucht,

Dort die Fäulnis als ein Leiden

Da das faule Sein als Sucht.

 

Dem Verfaulen in Verwesung

Ewig trickreich zu entgehn

Sucht man, betend um Erlösung,

Statt Gewürm den Herrn zu sehn.

 

Dringend ratsam ist, zu trennen

Faulheit ohne Energie

Von all jenen, die wir kennen,

Die uns raten: „Sparen Sie!“

 

Ziehn nicht selbst die größten Denker

Hirnarbeit dem Handwerk vor?

Nichts als Theorienschenker!

Rat statt Tat, statt Herz das Ohr!

 

Doch würd Faules stets vergammeln

Bliebe Fleiß auch ewig rein!

Widersprüche einzusammeln

Bringt nur auf und bringt nichts ein.

 

Faulheit, Papa, zu bedenken

Fordert Kraft, Verstand und Zeit

Sich dem Thema hinzuschenken

Brauchts die größte Fleißarbeit,

 

Folglich schulden wir dem Trägen

Unsren allergrößten Dank

Täts nicht unsren Fleiß erregen

Wären arm wir, faul und krank.“

 

Traurig sah der Vater hier

Seine faule Tochter an

Und er sagte leise „Wir

Strengen uns fürs Leben an!

 

Stürze daher nie die Regel

Die Moral von Mordtat trennt,

Lass den Wind in jenem Segel

Welches man als Fähnlein kennt

 

Das vom Schiffchen Gottes flattert!

Deine Weisheit macht verdattert

Doch beleidigt sie die Zeit

Und sie scheint dem Tod geweiht!“

 

Faltenstirnig gab den Blick

Seine Tochter ihm zurück:

„Papa! Sprichst Du über Dich?!

Halte ein, ich fürchte mich!“

 

Und das Mädchen fasst ein Sehnen

Und den Vater packt der Schreck

Faules faul nicht abzulehnen

Ging sie fort und blieb sie weg,

 

Liebe nicht vom Hass zu trennen,

Sonne nicht von Nachtgestern.

Zum Gedicht sich zu bekennen

Statt zur Prosa unsres Herrn,

 

Wählte Treue sie als Pfad

Wo es tausend Blumen hat.

 

 

                                                                                                        © Robert L. Sanatanas 2017

Langes Fadchen, faules Madchen ...

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