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Neumond

"Neumond oder die zierlichen Füße der Claire de Montperdu"

 

Ein Stück aus sechsundzwanzig Bildern

Idee und Mitarbeit Jörn Sack

 

Die Ordnung klagt über einen Mangel an Ereignissen,

Chaos sehnt sich heimlich nach Struktur.

Ein vernünftig komponiertes Drama könnte

ein annehmbarer Vorschlag sein.

 

Theaterstück von Sanatanas

(2016 - Frei zur Uraufführung)

Der Inhalt

Sommer 1762. In Schlesien kämpft Friedrich der Zweite von Preußen im nunmehr sechsten Jahr des Siebenjährigen Krieges in rasch aufeinander folgenden Schlachten um sein Überleben als Monarch und um den Fortbestand seines Landes.

 

Jean Jacques Rousseau erleidet in Frankreich soeben das Verbot seiner neuesten Bücher. ‚Emile‘ und der ‚Contrat social‘ werden öffentlich vom Henker von Paris verbrannt, und Rousseau selbst droht lange Kerkerhaft. Zwar entkommt er in die Schweiz, aber auch in Genf übergibt der Scharfrichter inzwischen seine Werke dem Feuer. Letzte Zuflucht bleibt Rousseau die Bitte um Asyl beim von ihm in listiger Schärfe kritisierten Preußenkönig, dem das benachbarte Fürstentum Neuchâtel untersteht.

 

Claire, Neuchâteler Pfarrerstochter, eine begeisterte Verehrerin Rousseaus, betrachtet dessen Eintreffen als eine glückliche Fügung nicht nur ihres eigenen, sondern auch des Schicksals des Philosophen. Sie glaubt sich berufen und fähig, diesen durch ihre jugendliche Weiblichkeit und die Kraft ihrer Überzeugungen für ein vorbildliches Familienleben, also endlich für die Einheit von Denken und Werk, zu gewinnen.

 

Nach kurzem Glück mit Jean Jacques Rousseau wird Claire - inzwischen von diesem schwanger - erfahren, dass ihr Einfluss nicht ausreicht, um ihren Geliebten davon zu überzeugen, die hohen, in seinen Werken propagierten Ideale auch zu leben.

 

Einmal um Claires Nachstellungen zu entgehen und zum anderen wegen seiner Vorstellung, dass die enge, persönliche Zusammenarbeit zweier Geistesgrößen wie ihm und dem König dem Verlauf der Weltgeschichte einen deutlich günstigeren Fortgang bescheren könnte - hat Rousseau den Entschluss gefasst, sich inkognito zu Friedrich zu begeben, um dort die Stelle eines vom König dringend gesuchten, neuen Lektors einzunehmen.

 

Gleichzeitig entwickelt die verstörte und entrüstete Claire eine für eine Frau ihrer Zeit und ihres Standes imposante Idee, um zugleich ihre Liebe, ihr werdendes Kind und auch ihre Lebensideale zu retten: Sie stiehlt ihrem Vater die Kirchenkasse, um ebenfalls zu Rousseaus Gönner Friedrich reisen zu können. Ihm wird sie alles erzählen, und sie erhofft sich vom König ein Machtwort, das eine grundlegende Änderung von Rousseaus Charakter bewirken soll.

 

Thérèse, Rousseaus Geliebte, ist diesem aus Paris nach Neuchâtel hinterhergefahren. Als sie dort erfährt, dass Rousseau bereits nach Schlesien abgereist ist, macht auch sie sich auf diesen Weg. Sie und Claire, im selben Postwagen sitzend, und nichts ahnend von ihren Verhältnissen zu demselben Mann, werden in den Böhmischen Wäldern von einer Räuberbande überfallen und festgehalten. Mit Mühe gelingt es den beiden Frauen - und Hoffaktor Heine Ephraim, der gleichfalls zum König unterwegs ist, um mit diesem neue Bedingungen für eine anberaumte Münzstreckung zur weiteren Finanzierung des Krieges zu verhandeln - auf getrennten Wegen zu entkommen.

 

Entschlossen setzt Claire ihre Reise fort. Der Zeitpunkt allerdings, zu dem sie - in der Uniform eines Husaren - endlich im schlesischen Heerlager anlangt, und auch bis zum Preußenkönig vorzudringen vermag, ist denkbar ungünstig:

 

Friedrich der Zweite steht mit seinem geschundenen Heer bei Burkersdorf gegen die übermächtigen Österreicher - zeitlich genau vor einem jener innovativen Überraschungsangriffe, durch die ihn sein späterer Ruf als Erfinder der Blitzkriegsstrategie ereilen wird. Abgesehen von seinem ohnehin speziellen Verhältnis zu Frauen bleibt dem König gerade überhaupt keine Zeit, sich Claires Bitten anzunehmen - die Schlacht steht unmittelbar bevor. Durch eine zusätzliche Zwangslage, in die der König und Feldherr infolge der Ermordung von Zar Peter plötzlich gerät, wird jedoch die bedeutungslose Claire unvermittelt äußerst verwendbar für ihn, und er bietet ihr ein Geschäft an.

 

Sich als der Gelehrte Dieudonné Rhenardier ausgebend ist auch Jean Jacques Rousseau beim Preußenkönig eingetroffen. Aber das von Rousseau so lange und gründlich vorbereitete Zusammentreffen zweier Großer der Weltgeschichte wird für ihn zu einer herben Enttäuschung. Unerkannt sowohl von Friedrich dem Zweiten wie auch von Claire wird Rousseau Zeuge von des Königs Schlachtvorbereitungen und von Claires Kampf um ihn, ihre Moral und ihre Prinzipientreue.

 

Doch eben, als Claire sich entschließt, dem Ansinnen des Königs, das sie alle ihre Ideale kosten würde, zuzustimmen, ändern sich durch eine bizarre Verkettung von Umständen die militärische Situation und die Stimmung des Königs. Claire muss erfahren, dass sie nunmehr selbst als Geschäftsgegenstand unnötig geworden ist.

 

Von Friedrich kalt aus dem Heerlager gewiesen, erkennt sie weder Jean Jacques Rousseau, der, soeben gleichfalls vom König verprellt, noch einmal ihren Weg kreuzt, noch kann sie den Ratschlägen des Hoffaktors Ephraim, dem sie ebenfalls ein weiteres Mal begegnet, etwas Nützliches abgewinnen. Nach bizarren Versuchen, ihre Schwangerschaft abzutreiben und sich selbst als Soldatenhure beliebigem Gebrauch anheimzustellen, läuft die verzweifelte Claire in der beginnenden Schlacht zwischen die aufeinander zurückenden Fronten…

 

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© Robert L. Sanatanas 2017

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