Fräuleins mit fetten Füßchen, in den Händen Shoppingtüten, sie ziehen vorbei und nehmen ihr Schönheitsbad im Leichengift des Zeitgeistes. Die hübsche Frau im Obergeschoss des Reisebusses gähnt gelangweilt, und ich schaue von meinem Kaffeehausstuhl aus zu ihr hinauf und schiebe ihr im Geiste ebenso gelangweilt meinen Puller tief in den weit geöffneten Mund. Dann schaltet die Ampel auf Grün, der Bus fährt wieder an, und meine Beziehung reißt ab. Entmannt rauche ich weiter meine Pfeife.

„Der Mann! Er stinkt!“, sagt der Junge an der Hand seines Vaters.

„Du stinkst auch“, knurre ich.

Abrupt bleibt der Vater stehen. „Was haben Sie gerade gesagt?!“, fragt er, und er bemüht sich, möglichst furchterregend auszusehen.

„Ich habe gesagt:“, sage ich, „Liegt etwa nicht im weisen Lächeln des Buddhisten über die Vergeblichkeit aller Bemühungen der Lebewesen um Entwicklung auch gleichsam der brutale Hochmut gegenüber einer dem Nichts gleichwertigen Gegenkraft?“

„Komm weiter, der Herr ist verrückt!“

„Und? Darf's noch etwas sein?“ Nett lächelt die Kellnerin.

„Ja, einen Reisebus bitte. Mit Schlagsahne. Hier kommt man wirklich zu nichts.“

„Ich kann Ihnen sagen kann ich Ihnen!“

„Sie können mir sagen können Sie mir? Was können Sie mir sagen können Sie mir?“

„Nichts. Das sagt man so.“

„Man sagt: Ich kann Ihnen sagen kann ich Ihnen? Obwohl man nichts sagen will, sagt man ich kann Ihnen sagen kann ich Ihnen?“

„Das kann ich Ihnen aber sagen.“

Ich sage: „Wissen Sie was, Fräulein? Sie haben nicht alle Hühner auf der Stange! Bringen Sie mir noch einen Kaffee.“

„Balkon. Das heißt: Nicht alle Hühner auf dem Balkon. Mit Milch?“

 Das ging noch stundenlang so weiter mit den Touristenbussen, den fetten Füßchen und den unerzogenen Kindern und den Kellnerinnen.

 

 

© Robert L. Sanatanas 2017

Berlin, Hackescher Markt

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