Seit acht Jahren kenne ich Jekaterina Petrowna nun. Inzwischen spricht sie nahezu akzentfrei. Was an kleinen Fehlern in der Melodie ihres Redens übriggeblieben ist, könnte man mit dem Charme eines leichten Silberblicks vergleichen, doch das würde ihre Beschreibung schmälern, denn den Anflug eines Silberblickes hat Jekaterina Petrowna ohnehin. In dieser langen Zeit hat es ihr nie etwas genützt, dass sie immer einmal wieder hilflos auf ihren vollen Namen bestand. Man hat sie stets höchstens Katjenka genannt, meistens nur Katja. Für mich war sie an all den Samstagen immer mindestens das Fräulein Jekaterina Petrowna gewesen, aber sie so zu nennen, hatte ich nicht oft Gelegenheit gehabt. Wir sind uns dort häufig begegnet und haben dem anderen dann immer höflich Platz gemacht, in der Art, wie man in selbstverständlicher Weise einem Tisch ausweichen mag, der im Raum steht. Wir gehörten füreinander wohl gegenseitig zum Interieur der literarischen Teegesellschaft, die wir schon so lange und so regelmäßig besuchten.  Manchmal sah Jekaterina Petrowna sehr hübsch aus, auf eine unauffällige, ganz besondere Weise. Erfreuliche Einzelheiten an ihr fielen mir dann auf, die zauberhafte Linie ihres Halses, ihre knabenhaften Schultern, die ihr selbst kaum bewusste Grazie in manchen Bewegungen ihrer Händen, ein unvermutet bemerklich werdendes inneres Leuchten im Blick ihrer hellen, nahe beieinanderstehenden Augen. Diese Entdeckungen von anderen, Unpersönlichen, wie etwa dem Auftauchen eines einfachen, kupfernen Armreifs oder einer winzigen, blauen Schleife in Jekaterina Petrwonas dunklem, einfach frisierten Haar, zu unterscheiden, war mir nie eingefallen, und so blieb es immer, als wenn man etwa ein längst bekanntes Gemälde ein weiteres Mal betrachtet und dabei abermals einige neue Details oder Interpretationsmöglichkeiten entdeckt.  So blieb es über acht Jahre lang.

 

Vor drei Wochen jedoch konnte ich Jekaterina Petrowna plötzlich spüren. Sie hatte nichts besonders gesagt oder getan; wie immer war ihre Unterhaltung mit den anderen, wenn sie mir überhaupt aufgefallen war, gerade und einfach gewesen, leise und ohne Aufdringlichkeit. An ihr hatte sich überhaupt nichts Bemerkbares verändert. Ich jedoch stand da und fühlte mich völlig unvermittelt dermaßen verliebt in Jekaterina Petrowna, dass ich mich wohl minutenlang nicht mehr zu bewegen vermochte. In dieser Nacht schlug schwerer Regen gegen die Scheiben des Salons und nahm mir sogar noch die Chance zu der Behauptung, mit welcher man sich weit hinter dem Ende aller möglichen Erklärungen noch etwas zu erläutern versucht: Dass so etwas eben auch aus heiterem Himmel geschehen könne.

Nach nur zwei Tagen und Nächten der Spürbarkeit von Jekaterina Petrowna, nach zwei Tagen und Nächten voller Freude und Angst, überfiel mich heftig der bittere Verdacht, dass ich vielleicht in meinem bisherigen Dasein längst nicht so unglücklich gewesen sein mochte, wie ich es oft - und manchmal wohl auch gern - angenommen hatte. Sondern dass mein eigentliches Unglück jetzt erst beginnen und achthundert Jahre lang anhalten könnte.

 

In der Nacht auf den dritten Tag hatte ich von Jekaterina Petrowna geträumt, wie sie mich, klein und mit vor Zorn dunklen Augen, ein Messer zwischen den Zähnen, aus Stacheldrahtrollen auf einem verschneiten Schlachtfeld herausholen wollte. Am niedrigen, schwergrauen Himmel blitzte es rot und schwarz, zwischen den Wolken, in die ich starrte, entfalteten sich die fettigen, schwarzen Blüten explodierender Luftabwehrgranaten. Jekaterina Petrowna trug eine Art Partisanenuniform, ihr bleiches Gesicht unter dem Käppi war von Maschinenöl verschmiert. Irgendetwas war mit mir, vielleicht war ich verwundet, keine Ahnung, ob ich Russe war. Im berstenden Krachen von Artilleriefeuer, während uns hässlich zirpend Stahlsplitter umflogen, hatte ich Jekaterina Petrowna gerochen, wie sie nach Haar und Schweiß und Leder duftete. An ihrem Handgelenk sah ich diesen Armreifen, der nicht in die Situation, nicht in die Zeit gehörte, und ich staunte. Vor Wut standen ihr große, blanke Tränen in den Augen, weil sie das Drahtgestrüpp nicht rasch genug von mir herunterbekam. Über das Feld krochen die plumpen Urtiere von Panzern immer näher, zwischen ihnen wimmelten schwarze Silhouetten. Jekaterina Petrowna weinte und fluchte, sie riss sich an dem Draht ihre Hände blutig, sie zerrte an mir und schimpfte mich laut aus, weil ich mich nicht erheben konnte, und ich lag lächelnd da, hatte ein großes, düsteres Loch in der Brust und dachte an Sex mit ihr. Ich zog sie an mich, ihr Gesicht kam dem Meinen immer näher, und dann erwachte ich und war bitter enttäuscht, dass draußen Frieden herrschte, das es warmer Sommer war und hohe, sternenklare Nacht, und dass irgendwessen Radio „Heart of gold“ in die schwarze, leere Betonschachtel meines Hinterhofes spülte.

 

Als ich Jekaterina Petrowna am darauffolgenden Samstagabend wiedersah, gab ich mir sehr viel Mühe, ihr auszuweichen wie man einem Tisch ausweicht. Mitten in der Bewegung jedoch überkam mich plötzlich die ganze Erkenntnis meiner jammerhaften Erbärmlichkeit, und ich blieb vor ihr stehen und lachte sie grässlich an. Jekaterina Petrowna hob eine Braue, sah ein wenig kurzsichtig zu mir auf, harmlos fragend, und ich murmelte irgendeine geistvolle Gemeinheit, die sie davon überzeugen sollte, dass ich mich nicht im Geringsten verändert hatte. Was hätte ich ihr stattdessen sagen sollen? Dass ich mich ohne jeglichen erkennbaren Anlass auf das Heftigste in sie verliebt hatte? Dass ich viel genauer wusste, wie stark und wie schön sie war, als sie es vermutlich von sich selbst je geglaubt hatte? Es wurde ein schrecklicher Abend. Ich hatte den zu spielen, der ich noch bis vor kurzem gewesen war, und selbst nur als Schausteller meines Selbst von vor bloß einer Woche wurde mir übel vor mir selbst. Mit einer höchst intelligenten Bemerkung, deren Worte mir auf dem Weg zurück in meine Wohnung böse nachhallten: „Wo die Liebe hinfällt, da soll sie auch liegenbleiben“, hatte ich mich aus der geschwätzigen Abendgesellschaft  verabschiedet, und da lag ich nun auf dem Rücken, in der blödsinnigen Hoffnung auf eine Fortsetzung des Traums oder wenigstens auf einen anderen Traum, in dem Jekaterina Petrowna vorkommen sollte. Doch außer einem einzigen Mal, wo ich von einem großen, toten Frosch träumte, der in meinem Blumentopf vor sich hinfaulte, und an dem ich immer wieder riechen musste, hatte ich in den folgenden Wochen nur schweren, ungesunden Schlaf.

 

Die Tage verliefen nicht gesünder. Mit einer gewissen Euphorie zwar, aber ganz klar hatte ich Jekaterina Petrowna als mein endgültiges Lebensziel erkannt. Tatsächlich unternahm ich bald einiges, diesem Ziel näher zu kommen - wenigstens wollte ich zunächst erreichen, dass Jekaterina Petrowna und ich uns einmal außerhalb des erbärmlichen Regelmaßes begegneten, welches uns das Stattfinden dieser wöchentlichen Abendgesellschaft zubilligte, denn wir hatten uns wirklich acht Jahre lang immer nur an den Samstagbanden und ausnahmslos in diesem Salon getroffen. Aber mein Ziel kam mir nicht entgegen, und das erfüllte mich bald mit tiefem Misstrauen. Wo hatte ich das einmal gehört: „Dem Paradies ist es egal, wie du es erreichst…“? Dieser Satz war mir seit Langem eine tiefe Wahrheit, vielleicht eine etwas zu tiefe Wahrheit - zum Beispiel musste ich einmal dringend nach München fahren und war kurz vor Nürnberg wieder umgekehrt, weil München immer noch keine Anstalten gemacht hatte, mir ein Stück entgegenzukommen. Nun war Jekaterina Petrowna zwar nicht München, doch vor einem Augenblick, in dem ich sie treffen und ächzen würde: „O Gott, war das eine schwere Arbeit, aber jetzt, jetzt bist du ja endlich da...“, und sie würde daraufhin verständnislos diese eine, die linke Braue etwas anheben, fürchtete ich mich sehr. „Viele, mein Lieber, halten sich für verliebt. Doch sehr wenige nur wollen für ihre Liebe auch etwas tun, was meinst du, woran das wohl liegen mag?“

„Das war eine sehr lange, sehr schwierige Woche“, sagte Jekaterina Petrowna leise. Sie stand dicht vor mir und sah mich an. Sie wollte noch etwas hinzufügen; in deutlicher Anstrengung richtete sie sich sehr gerade vor mir auf und machte so ein sehr tapferes Gesicht, dass mich mein inneres, zärtliches Lächeln darüber ganz auszufüllen begann, doch als sie ihre Lippen erneut öffnen wollte, hob sich eine meiner Augenbrauen, die linke, um ein Geringes an. Höflich sprach es aus meinem Mund: „Ich verstehe nicht ganz, Katjenka - was war denn so schwer?“, und Jekaterina Petrowna erwiderte rasch und hart: „Ach, eigentlich nichts, wir beklagen uns alle viel zu oft über Kleinigkeiten, nicht wahr?“ Wir lächelten beide und ich spürte einen Rest Hoffnung, gleich aufwachen und „Heart of gold“ hören zu dürfen.

 

Acht Jahre. Erst jetzt begreife ich, erst jetzt erfasst mich die elende Länge dieser langen Zeit. Vielleicht sollte ich etwas sagen? Nein, ich glaube nicht an das Wort. Drei Wochen. Nein, ich verzweifle nicht an der Verzweiflung. Und nun ist wieder alles genau wie vorher. Mit einem kleinen Unterschied: Es ist nicht mehr echt. Was geschieht denn, wenn wir anfangen, der Geduld des Papiers zu misstrauen? Im besten Falle wischen wir uns nach dem Kacken vorsichtiger unsere Ärsche. Weniger Scheiße fabrizieren, darauf kommen die Wenigsten zur rechten Zeit. Zwischen Miststück und Mystik hat es nur wenige Buchstaben Unterschied, selbst da wollen nicht viele mitgehen, das ist ihnen von viel zu weit hergeschrieben. Weitere nicht nennenswerte Jahre stehen uns nun bevor, mir und Jekaterina Petrowna,  falls die sich nicht irgendeines Nachts ein Kopftuch umbindet, im Sturm zu den Gleisen hinüberläuft und sich vor eine donnernd heranrasende, weiß fauchende Dampflokomotive wirft, falls sie nicht ihren Midnight Special macht...

 

Kein Tag, keine Nacht dieser langen Jahre wird mir noch Freude machen, jedenfalls so lange nicht, wie ich glauben muss, dass ich für Zwei arbeite. Ziele, denen es egal ist, ob und wie man sie erreicht, weshalb sollte man sie anstreben? Und dennoch tut niemand etwas anderes als das. Dass der Erfolg viele Väter habe, sollte uns das schlussfolgern lassen, dass der Misserfolg vieler Mütter bedarf?

 

Sie steht da drüben, nahe der Bar, hält in einer Hand ein fast geleertes Weinglas, wie etwas ganz Leichtes hält sie das Glas, wie einen Ballon an einem Faden, und sie unterhält sich mit ein paar Leuten. Es sieht zwanglos aus. Irgendwann, irgendwo, irgendwie muss einmal irgendetwas geschehen, etwas Außergewöhnliches. Eine Art dumpfer Schmerz, den ich spüre, will, dass ich meine Hand anhebe und mir unter der Jacke an die Brust greife, aber ich fürchte mich vor dem düsteren, schartigen Loch, das sich dort befinden könnte. „Seht nur, es schneit!“, ruft jemand und deutet zu den nachtschwarzen Fensterscheiben hin. Ich höre Jekaterina Petrownas sanfte Stimme. „Wie schön!“, ruft sie leise aus.

 

heben...ganz im Hier und Jetzt, voller Rechte und wütenden Verlangen. Und heute ist alles wie vor drei Wochen und einem Tag. Ich kenne sie, und ich spüre sie nicht. Wir haben unsere Chance gehabt und haben sie beide nicht wahrgenommen. Als weniger als eine Ahnung ist zwischen uns vorbeigegangen, was seit unvordenklichen Zeiten alle Logik stürzt und die Universen erschüttert. Zwischen uns läuft nichts mehr, zwischen uns steht wieder, was da so lange bereits herumgestanden ist. Das bisschen Ich in ihr ist zu winzig, dort einen Platz zu beanspruchen. Eigentlich sollte ich nun zufrieden sein. Wir wissen, seit immer schon, dass man nichts erzwingen kann, aber glauben wollten wir das nie.

 

Das friedfertige Lächeln der Weisen, die sich auf diesem Wissen ergeben haben, erscheint uns abgefeimt und falsch, und lieber haben wir Ärger mit unseren Weibern, lassen uns von ihnen als pervers beschimpfen, wenn wir ihnen mal was in den Hintern stecken oder ihnen die Füße lecken wollen Statt sie sein zu lassen, so, wie sie gerade sind, da, wo sie gerade sind. Wir wissen, dass sie uns brauchen und erzählen ihnen, wie sehr wir sie benötigen. In Dutzenden schlechter Schlager leiern wir es: „Eine Frau wird erst schön durch die Liebe“, aber in der Schönheit der Frauen zuerst die Größe unserer eigenen Liebe zu sehen, stellen wir uns blind. Wir wissen, dass es nichts zu sagen gibt und lassen Niagarafälle von Worten aus uns heraus, tun, als würden wir uns nach jener Zeit sehnen, in der die Männer den Frauen geglaubt haben. Wir wissen, es ist nur wichtig, dass wir reden, und wir passen fein auf, was wir sagen. Wir lassen uns zu Narren machen, uns einreden, Gott wären wir schon gewesen, und jetzt wäre es endlich Zeit für Dienst und Ergebung. Wenn wir einmal mehr als nur Mann sein dürfen, steht uns vor Angst gleich das Schwänzchen in die Höh´. Tausendmal hat sie es uns vorgesungen: „On end, my heart´s an open door/ And the secret is no secret anymore“, doch wir tun immer weiter so, als hätten wir nichts gehört und nichts durchschaut. Selbst dass wir nicht warten können, liegt ja nicht an uns, aber das will uns nichts angehen. Lieber sind wir traurig und gären in der Hoffnung, dass aller Schmerz einmal endet, irgendwie, irgendwo, irgendwann, als dass wir uns auf Freude einlassen, hinter der wir die Ahnung wittern, dass sie enden könnte, wie die Nacht, wie der Frühling, wie die Kindheit. So auch mit der Furcht vor dem Gutsein, weil man schlecht werden könnte darin, und mit der heimlichsten Freude des Bösen darauf, dass seine Bosheit vielleicht einst zu einem Ende kommen könnte. Und all das ist nur einer Intelligenz zu Verdanken, die jeglichen zyklischen Folgerungen radikal ausblendet, denn,nur einen Schritt weiterdenkend, erweisen sich ja alle Folgen als wiederum von Folgen verfolgt. Sag mal einen Satz mit sieben mal Folgen: „Wenn hinter Folgen Folgen folgen folgen Folgen Folgen folgenschwer...“ Was lautet also unser leiser Aberglauben dass in der Wahrheit keine Schönheit läge? Was mühen wir uns, der Lüge etwas vorzulügen und füllen damit dem Tod das Körbchen mit saftigen Birnen, spannen ihm die Nerven wie Gitarrensaiten, was drehen wir, halb schon ins Hemd geschissen habend, mächtig an den restlos falschen Knöpfen? Im Ernstfall - und Ernstfall ist für uns fast immer - machen wir aus der Wahrheit einen Geschäftsgegenstand. Ach, wir sind verflucht, sind es gern und wollen um Gottes Willen nicht erfahren, von wem. Wenn wir nach Anfängen suchen, dann darum, damit es endet, und dass es endet wollen wir, damit es besser wird. Aber es wird nicht besser, niemals besser, als wir gut sein können in jedem einzelnen Moment. Denn die Seele hat keinen Leibsorger für uns und für abhanden gekommene Garderobe haftet der Wirt nicht, ohne den wir die Rechnung nicht verstehen. Nichts als Sie wollen wir, aber Sie als Nichts, davor stürzen wir entsetzt davon und müssen den Wagen waschen, eben nur schnell Zigaretten holen, mal kurz in die Kneipe oder rasch mal in den Knast. Fragen wir den Herrn in uns etwas ganz Einfaches: Hätte Er Sie denn je geschaffen, um Ärger mit ihr zu haben, endet unsere Herrlichkeit, und fragen wir Sie: Hast Du mich hervorgebracht, damit wir Probleme miteinander ausfechten, dann ist es ganz genau so schlimm. Würde ich dich erhalten wollen, um dir dabei zuzusehen, wie du mich missachtest? Würde ich dich vernichten ohne die Gewissheit, dich schöner auferstehen lassen zu können? So, wie die Herrlichkeit der Herren vor diesen Frage scheitert, so erbärmlich enden dort auch die Dämlichkeiten der Damen.

 

Acht Jahre. Erst jetzt begreife ich erfasst mich die elende Länge dieser langen Zeit. Vielleicht sollte ich etwas sagen? Nein, ich glaube nicht an das Wort. Drei Wochen. Nein, ich verzweifle nicht an der Verzweiflung. Und nun ist wieder alles genau wie vorher. Mit einem kleinen Unterschied: Es ist nicht mehr echt. Was geschieht denn, wenn wir anfangen, der Geduld des Papiers zu misstrauen? Im besten Falle wischen wir uns nach dem Kacken vorsichtiger unsere Ärsche. Weniger Scheiße fabrizieren, darauf kommen die Wenigsten zur rechten Zeit. Zwischen Miststück und Mystik hat es nur wenige Buchstaben Unterschied, selbst da wollen nicht viele mitgehen, das ist ihnen von viel zu weit hergeschrieben. Achthundert Jahre Arbeit stehen uns nun bevor, mir und Jekaterina Petrowna, falls die sich nicht irgendeines Nachts ein Kopftuch umbindet, im Sturm zu den Gleisen hinüberläuft und sich vor eine donnernd heranrasende, weiß fauchende Dampflokomotive wirft. Kein Tag, keine Nacht dieser achthundert beschissen langen Jahre wird mir Freude machen, jedenfalls so lange nicht, wie ich glauben muss, dass ich für Zwei arbeite. Ziele, denen es egal ist, ob und wie man sie erreicht, weshalb sollte man sie anstreben? Und dennoch tut niemand etwas anderes als das. Dass der Erfolg viele Väter habe, sollte uns das schlussfolgern lassen, dass der Misserfolg vieler Mütter bedarf?

 

 

© Robert L. Sanatanas 2017

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