Was für ein schöner Morgen! Mit Tagmond am Himmel, wenn man genau hinsieht. Ein geradezu literarischer Tag! Für einen Literaten heißen die ersten drei Astronauten, die den Mond erreichten, übrigens nicht Borman, Lovell und Anders, sondern Nicholl, Ardan und Barbicane. Nicht 1969 fand die erste Umrundung des Mondes statt, sondern 1865, und sie war auch nicht von der NASA organisiert, sondern vom „Amerikanischen Artillerie- Club“.

Missionsleiter in der Bodenstation war damals ein gewisser Jules Verne. 400.000 Pfund Schießbaumwolle brauchte er für die gigantische Kanone "Columbia", um damit seine Raumfahrer zum Mond zu ballern. Von deren Lift-Off bis zum Start von Apollo 8 dauerte es noch 104 Jahre. 104 Jahre, dann hatte die Wirklichkeit die Literatur eingeholt und überholt.

Bis der Terminator durch unsere Straße donnert und unerbittlich alle beweglichen Ziele vernichtet, die eine Temperatur von 35 bis 44 Grad Celsius aufweisen, bleiben – sollte sich das Verhältnis zwischen literarischer Veröffentlichung und öffentlicher Verwirklichung als stabil erweisen - folglich keine 5 Jahre mehr. Wenn. Aber es existiert inzwischen eine Statistik darüber, dass die Zeitspannen zwischen dem Ausgedachten und seiner Verwirklichung rapide kürzer werden. Schrumpfen diese Abstände tatsächlich immer weiter, dann wird in einer absehbaren Anzahl von Jahren ein Moment kommen, wo das beides zusammenfällt - dann werden Wünsche wahr... Doch das bliebe noch längst nicht alles, das wäre nur erst die Schnittstelle. Dahinter begänne: „Es war getan, noch ehe es gedacht...“ - die Wirklichkeit würde schneller wirklich, als jede Vision von ihr.

 

Draußen klirrt und wummert es technisch. Ganz langsam wird das metallene Poltern und Rasseln immer lauter. Meine Erfahrung sagt mir, dass es sich um eine Baumaschine zu handeln hat - völlig unmöglich natürlich, dass der Terminator jetzt schon kommt... Gott, was für ein wunderbarer Tag heute! Und dieser bleiche Mond am blassen Himmel!

 

© Robert L. Sanatanas 2017

Terminator

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